"Langer Marsch" der besonderen Art: 7.000 Kilometer auf dem Rad durch China

Volker Häring, Christian Y. Schmidt
Der lange Fahrrad-Marsch
7.000 Kilometer durch das Reich der Mitte
Wenn sich zwei "alte, weiße Männer" (Jahrgang 1956 und 1969) auf eine waghalsige Fahrradtour inmitten Chinas verständigen, dieses irre Abenteuer dann tatsächlich angehen und nach 7.000 Kilometern (!) wie geplant beenden, ist das wohl nicht nur für die Ärztezunft eine äußerst bemerkenswerte Geschichte. Ich kann bezeugen, dass zumindest der zuvor untrainierte Ältere – Christian Y. Schmidt – noch aufrecht geht und munter zu parlieren versteht ... Am 23. Februar 2025 stellte er nämlich im Frankfurter Ypsilon Buchladen & Café an der Berger Straße das Zeugnis der Strapazen persönlich vor - nach Einladung des Konfuzius-Instituts Frankfurt. Danke dafür, liebe Christina Werum-Wang.

Christina Werum-Wang (Geschäftsführerin des Frankfurter Konfuzius-Instituts), Co-Autor Christian Y. Schmidt und Buchhändler Dr. Klaus-Wilhelm Bramann
Ja, was haben sich die beiden "alten, weißen Männer" eigentlich dabei gedacht? Verrückte Idee war, den Spuren des in China bekannten und auch umstrittenen Otto Braun ("Li De") zu folgen, der als Deutscher eine gewichtige Militärberaterrolle beim historischen Langen Marsch der Roten Armee in den Jahren 1934/1935 gespielt hatte. Das alleine wäre schon berichtenswert gewesen, schließlich ist Brauns ungewöhnliche Biografie allenfalls in Fachkreisen bekannt. Eine solche Spurensuche über zwei Etappen in viereinhalb Monaten und über 7.000 Kilometer hinweg hätte man einigermaßen "bequem" auf vier Rädern schaffen können. Aber nein, das Ganze musste auf E-Bikes absolviert werden. Selbstüberschätzung? Nun ja. Aber Schmidt und Häring straften alle Zweifler Lügen.
Erste Etappe: von Ruijin nach Zunyi; zweite Etappe: von Zunyi nach Yan'an
Man biss sich durch - trotz zeitweise einsetzender (verständlicher) "Verwahrlosung". Trotz gerissener Ketten und fehlender Ersatzteile. Mehr als hundert Mal hat Christian Y. Schmidt an den hohen Bergen die Tour verflucht. Vierunddreißig Mal haben sich die beiden Radler heftig gestritten - herrlich ist dabei die unterschiedliche Wahrnehmung. Kapitel-abwechselnd schildern sie ihre Perspektive nicht nur auf den jeweiligen Reiseabschnitt, sondern auch auf Charakter und Gemütszustand des Mitleidenden. Amüsant!
Jurte im Grasland vor Zoige
Das Buch ist ein wahrer Parforce-Ritt durch das neue China. Zu lesen ist von allerlei berührenden und auch skurrilen Begegnungen, vom Leben in entlegenen Minderheitenregionen, vom Pragmatismus der Menschen, von überwältigenden bis bedrohlichen Landstrichen, vom Straßenstrich bis zu ungewöhnlichen Unterkünften auch in der Einöde und durchaus lösungsorientierten Vermietern.

Am Ziel: Häring (links) und Schmidt vor der Lange-Marsch-Trompete an der Brücke über den Beiluo in Wuqi (Shaanxi)
Fazit: Ich habe mich lange nicht mehr so gut von Autoren und ihrer besonderen Geschichte unterhalten gefühlt. Christian Y. Schmidt ist ein China-erfahrener Beobachter und Autor, der seine Schilderungen zuweilen mit gewohnt beißendem Humor würzt. Der Hinweis auf seinen früheren Redakteursjob beim Satiremagazin Titanic darf an dieser Stelle nicht fehlen. Und Volker Häring? Als Reiseschriftsteller und Radreiseveranstalter ist er seit 1993 über 50.000 Kilometer durch China geradelt. Im vorliegenden Buch ist er der scheinbar alleswissende "Gegenpol ... Das Ganze ist von beiden Erzählern sehr gut komponiert. Hut ab für eine sehr gelungene Melange aus Unterhaltung und Geschichtsvermittlung.
Gelesen hat:
Sabine Ursel
CNBW-Kommunikationsverantwortliche
Journalistin, Wiesbaden
Erschienen bei:
Ullstein extra, Berlin 2025, 368 Seiten, 19,99 Euro (E-Book: 16,99 Euro);
ISBN: 9783864931376; weitere Infos/Bezug: hier
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