Asien-Pazifik-Leitlinien mit CNBW-Expertise zum Bereich China

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Das Staatsministerium Baden-Württemberg hat im Dezember 2025 seine Asien-Pazifik-Leitlinien veröffentlicht. Es gilt - insbesondere in der europäischen und transatlantischen Zusammenarbeit - das Engagement in der Asien-Pazifik-Region zu stärken, auszubauen und weiterzuentwickeln.
Im Wettbewerb um Innovationen haben die ASEAN-Staaten eine führende Rolle. Hier wird die Hälfte der globalen Patente angemeldet und die Top 5 der weltweiten Wissenschafts- und Technologiecluster befinden sich nach dem Global Innovation Index in Ostasien. Auch in weiteren Staaten der Region entwickelte sich in den vergangenen Jahren eine dynamische Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationslandschaft, die zunehmend vernetzt ist und einen eigenen Wissenschaftsraum bildet.
Die China-Strategie (2023) und die Leitlinien zum Indo-Pazifik (2020) des Bundes setzen den außenpolitischen Rahmen für die Leitlinien des Landes. Darüber hinaus sind die EU-China-Politik, die EU-Strategie für die Zusammenarbeit im
Indo-Pazifik sowie die Handels- und Forschungspolitik der EU von zentraler Bedeutung. Diese Asien-Pazifik-Leitlinien nehmen wichtige Branchen und Technologien für Baden-Württemberg in den Blick.
. Automobilwirtschaft
. Nachhaltige, intelligente und vernetzte Mobilität
. Maschinenbau
. Informations- und Kommunikationstechnologien,
. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Quantentechnologien
. Grüne Technologien (GreenTech)
. Gesundheitswirtschaft und -wissenschaften
. Luft- und Raumfahrt
Über China - als Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale
Das China Netzwerk Baden-Württemberg hat seine Expertise in die Leitlinien eingebracht:
Bernhard Weber, (CNBW-Mitgründer, jetzt Beirat; ehem. General Manager der Baden-Wuerttemberg International Economic and Scientific Cooperation, Nanjing; Baden-Württembergs Vertreter in China) sowie ...
Jochen Schultz (CNBW-Geschäftsführer)
Für den Güterhandel des Bundeslandes ist China der zweitwichtigste Exportmarkt und der wichtigste Import- und Beschaffungsmarkt. Etwa 6.000 baden-württembergische Unternehmen sind in China tätig, oft mit langfristigen Investitionen. Baden-Württemberg ist aber auch für chinesische Unternehmen ein interessanter Standort. So
sind mehr als 160 Firmen im Land im Besitz chinesischer Unternehmen.
In seinem Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt strebt China nach einem neuen Wachstumsmodell, das unter anderem auf die staatliche Förderung von Forschung und Entwicklung und wirtschaftliche Unabhängigkeit durch Lokalisierung
setzt. Bei den Forschungsausgaben liegt China heute weltweit auf Platz zwei hinter den USA. Insbesondere in den Hochtechnologien macht China rasante Fortschritte und gehört bei KI, Quantentechnologien, Batterietechnologien, Elektromobilität und autonomem Fahren zu den führenden Akteuren weltweit. Den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft treibt China konsequent voran und holt im Maschinen- und Anlagenbau auf. Damit ist China nach wie vor ein interessanter Partner für Hochschulen, Forschungseinrichtungen
und Unternehmen.
Gleichzeitig wird der Wettbewerb um die Technologieführerschaft bei den Innovationen von Morgen größer. Für Baden-Württemberg wird die deutlich veränderte Rolle Chinas insbesondere in der Automobilwirtschaft und im Maschinen- und Anlagenbau spürbar. Auch die aus baden-württembergischer Sicht unverzichtbare regelbasierte, multilaterale Ordnung gerät aktuell durch Chinas verschärfte Rohstoffexportkontrollen und Liefereinschränkungen bei Chips zunehmend unter
Druck.
Vor diesem Hintergrund müssen wir die langjährigen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Beziehungen zu China, auch im Sinne eines stärkeren De-Risking-Ansatzes, neu bewerten:
. Primäres Ziel ist weiterhin ein regelbasierter Freihandel im Rahmen der WTO, der faire Handelsund Wettbewerbsbedingungen, Reziprozität und Forschungssicherheit umfasst. Nur in diesem Rahmen können alle Beteiligten gewinnen.
. Baden-Württemberg unterstützt die Wahrung der europäischen Souveränität und Interessen durch die EU. Dabei gilt es besonders, einseitige Abhängigkeiten Schritt für Schritt zu reduzieren.
. Für die baden-württembergischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen bleibt der Anschluss an die chinesische Innovations- und Forschungslandschaft wichtig, um die Markt- und Technologieentwicklung zu verfolgen. Es gilt daher, Partnerschaften mit China, die unseren Interessen
entsprechen, aktiv zu pflegen und auszubauen, die eigene Innovationskraft weiter zu stärken und das Benchmarking mit dem Technologiestandort China voranzutreiben.
Starke Netzwerke nutzen
Expertise und die Vernetzung von praxisrelevanten Wissensressourcen und Kompetenzen sind ein Schlüssel für den Erfolg in der Asien-Pazifik-Region. Netzwerke und Vereinigungen, wie das China Netzwerk Baden-Württemberg (CNBW), der Ostasiatische Verein (OAV), das von BW_i aufgebaute Japan-Netzwerk, die vier German-Indian Round Tables (GIRT), die Deutsch-Indische, die Deutsch-Japanische und die Deutsch-Koreanische Gesellschaft sowie das Indo-German Young Leaders Forum (IGYLF) leisten einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft, Unternehmen und Zivilgesellschaft des Landes. Die gezielte Einbindung der Landeshochschulen stärkt den fruchtbaren Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.