XI Jinping – der mächtigste Mann der Welt

Zu oft fehlt einem die rechte Zeit zum Lesen von "Fachbüchern". Sie können zuweilen Respekt einflößen und dann auch entsprechend lange auf einem Stapel liegen ... Bei diesem Buch sage ich: Direkt ran an den Speck. Stefan Aust und Adrian Geiges vermitteln auf verständliche Art ein Big Picture von China, Leadern, Denk- und Lenkweisen. Fokus liegt natürlich auf dem derzeit mächtigsten Mann der Welt und seinem dornigen Weg zur Macht. Wesentliche historische Ereignisse (keine Angst, nichts greift zu tief) und bedeutende Maßnahmen werden pragmatisch in den jeweiligen Kontext eingeordnet. Interessant ist vor allem die Skizzierung der in der "westlichen Welt" nur schwer zu begreifenden Melange aus Konfuzianismus, Maoismus, Sozialismus, Kommunismus und – ja – Kapitalismus. Die Autoren betonen, weder für noch gegen XI Partei ergreifen zu wollen. Ziel ist, den Mann darstellen, "wie er ist" … was beileibe keine leichte Aufgabe ist. Herleitungen, Beschreibungen, Tradition, Familienbande und der Abgleich von offiziellen Reden und Taten, verbunden mit Konsequenzen für Chinesen und "den Rest der Welt" – das alles wird recht anschaulich beschrieben. Den letzten Satz der Einleitung kann ich unterstreichen: "Das Urteil über den zurzeit mächtigsten Mann der Welt sollten Sie sich selbst bilden."
Fazit: Das Werk liefert "echten" China-Experten sicher nicht übermäßig viele neue Aspekte und Argumente. Allen anderen (das ist die überwiegende Mehrheit) hingegen schon. Zumal die Autoren auch dem sogenannten "Westen" (mit mehr oder minder funktionierenden Demokratien), Afrika und anderen geografischen Regionen den Spiegel vorhalten …
Gelesen hat: Sabine Ursel
Stichworte:
Familiengeschichte, Rolle der zweiten Ehefrau PENG Liyuan, Vorbild Stalin, großer Übervater Mao, Konfuzius und Kommunismus, Dalai Lama und Uiguren, Hongkong und Taiwan, Handelskrieg, Seidenstraße, Ökologie, 5G und TikTok, Digitalisierung
Buch: Xi Jinping – Der mächtigste Mann der Welt; Stefan Aust und Adrian Geiges; Piper Verlag (München 2021), EAN 978-3-492-07006-5, 288 Seiten; Hardcover 22 Euro, E-Book 21,99 Euro (jeweils inkl. MwSt.)
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China im Blickpunkt des 21. Jahrhunderts

Tobias Loitsch hat eine ganze Reihe spannender Aufsätze im Buch zusammengetragen - 23 Autoren schildern ihre Sicht auf das Riesenreich China. Die Lektüre sei (nicht nur, aber vor allem …) denjenigen ans Herz gelegt, die – ohne Verständnis von Land, Leuten, Kultur und Politik – viel Zeit damit verbringen, sich ausschließlich an Themen wie Zwangsarbeit in Xinjiang und Auswirkungen des Nationalen Sicherheitsgesetzes von Hongkong abzuarbeiten, wie es Jörg Wuttke im Vorwort ähnlich formuliert. Der BASF-Chefrepräsentant und Präsident der EU-Handelskammer in China ist bekannt für eindeutige Statements. Kern seines Textes: "Die EU muss eine aktive Rolle spielen und ihr eigenes Konnektivitätswunder in anderen Regionen wiederholen, während sie gleichzeitig ihre eigenen Regeln an die Globalisierung von China Inc. anpassen muss. Gelingt das Europa nicht, so besteht die reale Gefahr, dass es kaum mehr als ein passiver Markt wird, der am Rockzipfel Eurasiens hängt."
Hier eine kleine Auswahl weiterer Aussagen aus dem Sammelband, die als Appetitanreger dienen können:
Dr. Anastassia Lauterbach, XU University for Applied Sciences, Potsdam
" … Statt sich also mit unterdimensionierten staatlichen Fördertöpfen in einem – von vorneherein aussichtslosen – Wettkampf mit den KI-Giganten zu begeben, ist es an der Zeit, dass traditionelle Unternehmen Alternativen in KI-Partnerschaften suchen und gemeinsam neue Datenstrategien entwickeln. Wer weiß: Berlin könnte vielleicht eines Tages für die Hobbyarchäologen des nächsten Jahrtausends ein beliebter Ausgrabungsort werden, an dem die demokratischen Europäer mit einem unscheinbaren hölzernen Pferd die bis dahin unbesiegbare Diktatur Trojas in die Knie zwangen …"
Bill Holler, Unternehmer und u.a. Vorsitzender des Beirats des Deutschen Instituts für Normung (DIN)
"… Mein Fazit besteht also darin, dass die Chancen dieser zukünftigen Entwicklung größer sind als die natürlich reichlich vorhandenen Risiken. Aber eine echte Alternative haben wir langfristig betrachtet ohnehin nicht, wollen wir nicht als kleiner Kontinent zwischen den Großmächten ein Schattendasein fristen und zum Spielball eben dieser Großmächte werden …"
Dr. Hans-Peter Friedrich, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, ehemaliger Bundesminister
" … Gespannt darf man sein, was die Strategie der Dual Circulations, der zwei Wirtschaftskreisläufe, die der neue Fünfjahresplan ausruft, zur Folge hat. Was wir sicher nicht akzeptieren können, ist eine Politik, bei der die eigenen Märkte abgeschottet und die Weltmärkte offensiv aufgerollt werden. Andererseits ist es höchste Zeit, China als das zu sehen, was es ist, nämlich eine, wenn nicht die entscheidende Gestaltungsmacht des 21. Jahrhunderts …"
Weitere Stichworte:
Bildungssystem, China Forum Tübingen als Modell, China im Jahr 2050, Chinas komplexe Digitalwelt, Digitalisierungsbeispiel Luxus-Fashion-Industrie, historische Ereignisse auf dem Weg ins 21. Jahrhundert, Joint Venture, Künstliche Intelligenz, ökologische Zivilisation, Seidenstraße, Share Economy, Sozialkreditsystem, Start-ups in China etc.
Fazit: Auf 375 Seiten Fakten, Risiken, Chancen, persönliche Eindrücke und Ableitungen – bitte lesen, lernen, verstehen und Verständnis entwickeln. Nur so bekommt Meinung ein belastbares Fundament.
Sabine Ursel
Buch: China im Blickpunkt des 21. Jahrhunderts – Impulsgeber für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft (2. erweiterte Auflage)“; Tobias Loitsch (Hrsg.); Springer Gabler-Verlag 2021, 375 Seiten; 24,99 Euro (E-Book)
Bezug: am besten bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ... oder hier
Mit leichter Hand das Schaf wegführen

Mein Fazit vorweg: nicht mehr taufrisch, aber dennoch unbedingt empfehlenswert! Auf der Reise (Zug) einfach aus der Tasche hervorzaubern (handlich!), Aha in Sachen China Business erleben und sich auch noch unterhalten lassen. Ja, das geht. Es muss nicht immer ein großer "Schinken" aus den einschlägigen Fachverlagen sein, den man oft eh nur überfliegen kann, weil die Zeit fehlt. Die Autoren schildern geschicktes Vorgehen mit chinesischen Geschäftspartnern (real!) und machen das "Fassen" leicht durch Einschübe wie "Erfreuliche Spätfolgen", "Rückblickend betrachtet", "Das Unvorhergesehene", "Die Improvisation", "Die Lehre" etc. Gut gemachte Fachlektüre.
Sabine Ursel
Buch: Mit leichter Hand das Schaf wegführen - Chancen am chinesischen Markt strategisch meistern; Miriam Fritz, Lutz Berners, Martin Krott, Christina Lee; Drachenhaus Verlag (Esslingen 2018); ISBN-13: 9783943314137, 110 Seiten Seiten, 19 Euro (inkl. MwSt.)
Bezug: am besten bei Ihrem Buchhändler um die Ecke anrufen ... oder hier
Digitalisierung Made in China
Vorweg: Dieses Buch geht mit dem Thema "Digitalisierung und KI" genauso um, wie man/frau es sich wünscht: im besten Sinne hemdsärmelig. Man kann sich dem Thema dröge und langatmig widmen, wie es derzeit so viele Autoren tun. Muss man aber nicht! Mir gefallen die vielen kurzen und erhellenden Abschnitte, gut aufbereitete Zahlen, die wirklich kurzen Summaries (on the point) und natürlich die 20 Experten-Interview, aus denen sich so einiges ableiten, besser gesagt: lernen, lässt.
Alexandra Stefanov, Claudia Bünte und Till-Hendrik Schubert glorifizieren China nicht, und sie wollen auch keine Angst schüren. Ein Anliegen: China muss endlich als Global Player (Leader!) begriffen werden, der längst den Takt vorgibt - zumindest in Sachen Geschwindigkeit und Innovationen rund um Digitalisierung. Also: nicht abwarten, sondern verstehen, lernen, adaptieren, eigene Wege wagen. Dieses Buch gibt eine Menge Impulse. 19,99 Euro (oder 9,99 Euro) sind gut angelegt!
Sabine Ursel

Buch: Digitalisierung Made in China - Wie China mit KI und Co. Wirtschaft, Marketing und Handel transformiert; Alexandra Stefanov, Claudia Bünte, Till-Hendrik Schubert; Books on Demand, März 2021, 238 Seiten; ISBN: 978-3-753-40579-7, 19,99 Euro / eBook ISBN: 978-3-753-45157-2, Preis: 9,99 Euro
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Mein Start in Deutschland - Erlebnisse einer chinesischen Studentin

Studieren in Spanien? Wohl alles zu locker dort. In Frankreich? Zu romantisch. Und wie wäre es mit Deutschland? Das war der beliebteste Kandidat "mit allen Stimmen der Eltern". Gemäß dieser eindeutigen Stimmenauszählung landete Yani Guo schließlich nach dem Bachelor-Abschluss in Dalian und ersten beruflichen Schritten am 4. Oktober 2011 in Freiburg, um an der Albert-Ludwigs-Universität den Masterstudiengang "Interkulturelle Germanistik mit Fremdsprache Deutsch" zu belegen – und Land und Leute zu erkunden. Ein gewichtiges Ziel: eines Tages auf Deutsch streiten zu können ...
Dass Deutschlands guter Ruf in China oft auf verallgemeinertem Hörensagen und wenig authentischen Berichten in den sozialen Medien beruht, lernte die Autorin schnell. Herrlich selbstreflektiert beschreibt Yani Guo ihre Beobachtungen: Lernverhalten und Energie-spendende Nahrung, Schulsystemvergleich, das "Vergolden" eines chinesischen Abschlusses an deutschen Hochschulen, Wohnungssuche in Freiburg ("Fu Lai Bao"), Freizeitaktivitäten und Feiertage, Individualismus, Konfuzianismus und Generationenfrage, kulinarische Experimente und Reiskocher sowie räumliche Wahrnehmung ("Fährt ein Europäer von Freiburg nach Basel, hätte ein Chinese bei gleicher Strecke immer noch nicht Peking verlassen").
Yani Guo arbeitet heute als Sprachbereichsleiterin am Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen. Sie hat "wie ein umgepflanzter Baum chinesische Wurzeln neu in den deutschen Boden geschlagen". Anpassungsprozess: Euphorie, Krise, Erholung, Adaption. Sie hat sich an einen "sachlichen und direkten Kommunikationsstil gewöhnt" und gelernt, nicht mehr allzu viel "zwischen den Zeilen zu lesen". Mein Fazit: Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt – und wieder viel dazu gelernt!
Sabine Ursel
Buch: Mein Start in Deutschland – Erlebnisse einer chinesischen Studentin; Yani Guo; Hefei Huang Verlag (Gröbenzell 2020), 190 Seiten, 11,90 Euro (inkl. MwSt.)
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